Therapieentscheidung und Prognose

Die Therapie hängt vom Grad der neurologischen Ausfälle und der Dauer der Symptome ab.
Um die Therapieentscheidung nach vergleichbaren Kriterien treffen zu können, werden die Symptome in 5 Grade eingeteilt:
Grad 1: Reine Schmerzsymptomatik
Grad 2: Koordinationsstörung (Ataxie) bzw. unvollständige Lähmungserscheinungen (Paresen) der
                  betroffenen Gliedmaßen, das Tier ist aber noch alleine gehfähig
Grad 3: Unvollständige Lähmung der betroffenen Gliedmaßen, dass Tier ist nicht mehr gehfähig
Grad 4: Vollständige Lähmung (Plegie) der betroffenen Gliedmaßen, bei erhaltenem Tiefenschmerz
Grad 5: Vollständige Lähmung der betroffenen Gliedmaßen ohne Tiefenschmerz

Bei Patienten mit Vorfällen 1. und 2. Grades sollte ein konservativer Therapieversuch erfolgen – es sei denn, die konservative Therapie wurde bereits erfolglos versucht oder es kommt zum Rezidiv (wiederholtes Auftreten).
Patienten mit Symptomen 3. und 4.. Grades sollten in jedem Fall schnellstmöglich operiert werden. Die Prognose zum Wiedererlangen der Gehfähigkeit für diese Patienten liegt je nach Literatur bei ca. 80-95%). Wird bei einem solchen Fall erst noch eine Woche die konservative Therapie versucht und eine weitere Verschlechterung in Kauf genommen, kann es zu irreversiblen Schädigung der Nervenbahnen kommen. Das Rückenmark kann chirurgisch nicht repariert werden. Der Chirurg kann das Rückenmark entlasten, indem er den Wirbelkanal eröffnet und das vorgefallene Bandscheibenmaterial entfernt. Die Heilung der Nervenbahnen muss der Körper jedoch selbst bewirken. Je länger die Blutgefäßversorgung durch das Bandscheibenmaterial unterbrochen wurde, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit irreversibler Nervenschädigungen.

Patienten mit Symptomen 5. Grades (Vollständig gelähmt mit Verlust des Tiefenschmerzempfindens) haben eine sehr vorsichtige Prognose (ca. 50%). Der Ausfall des Tiefenschmerzes ist das schwerste neurologische Symptom, das nach einer Läsion des Rückenmarkes auftreten kann. Je länger dieser Ausfall anhält, desto unwahrscheinlicher ist die Erholung. Es gibt noch andere Faktoren die eine Prognose bei denen Patienten weiter reduzieren kann. Manche Patienten können eine Myelomalazie (Auflösung/Nekrose des Rückenmarks) entwickeln. Wenn diese das Rückenmark weiter nach vorne aufsteigt, kann dies die Nerven die an der Atmung beteiligt sind involvieren und zu einem Atemstillstand des Tieres führen.